Das waren die Cyclassics 2010
“Unsere Jungs sind wohlbehalten zurück – alle!”, das war die erlösende Nachricht, die über Funk im Teammobil eintraf, woraufhin alle die Hände nach oben rissen und jubelten. Erleichterung machte Freude Platz und wenig später, als die müden, aber glücklichen Rennfahrer ihre Medallien vorzeigen konnten, wurde noch mit dem einen oder anderen Bier angestoßen.
“Ihr seid Helden!”, stand auf den Plakaten von Vattenfall. Recht haben sie!
Was war passiert?
“Merde! Schon vor dem Start lief es sehr verquer.”, erzählt Ruelpe Desquenix noch sichtlich zerknirscht. Die Kette war ihm beim Warmfahren kurz nachdem er im Startblock angekommen war, vom Blatt gesprungen. “Mon Dieu, ich hatte ganz verschmierte Hände – alles klebte oder rutschte, ich konnte gar nicht mehr präzis schalten!”
Ruelpe Desquenix gefangen im Peloton (Pic by Harald Legner)
Nach dem ersten Schreck der Start. Alle kamen recht gut aus dem Block, formierten einen eigenen Zug und begannen, die antrainierten taktischen Züge zu vollführen. Ruben Segundo: “Unsere Taktik war gewesen, zunächst die Stadt, die Hafencity und den Hafen hinter uns zu bringen – dann sollten sie sich von den Mitfahrern lösen um im belgischen Kreisel Zeit gut zu machen.” Doch es kam anders: “Nicht kalkuliert hatten wir, dass die tausenden Fahrer auf den engen Straßen mit sehr viel weniger Erfahrung auf die Strecke gehen würden.”
Es kam zwar nicht zu Stürzen – aber so manch haarige Situation mit den “Bierbauch-Bikern” bremsten ein ums andere Mal den Zug der Equipe SunClass.
“Damn it!”, flucht Steve Triabolos – ihn hatte ein heftiger Wadenkrampf kurze Zeit nachdem der Zug Harburg passiert hatte, dazu gezwungen, das Team ziehen zu lassen. “In diesem Fall war es das Klügste, Steve abreißen zu lassen – er hätte nur das ganze Team gebremst.”, sagt Segundo.
Zu diesem Zeitpunkt waren aber alle verbleibenen Fahrer in 3 Gruppen zerrissen worden: Ganz vorn fuhren Dan Riiskens und Cees van Donkeren, dahinter wurden durch einen Massensturz anderer Fahrer Kapitän Serpentine, Sprinter Desquenix und weiter hinten abgehängt Triabolos abgeschnitten. An eine Zusammenführung war nicht mehr zu denken: “Funk ist verboten, und so wussten die einen nicht, ob sie auf die anderen warten sollen – und gaben Vollgas. Dass Desquenix und Serpentine da nicht mehr heran kamen, war schnell klar.”
Nationale und internationale Pressestimmen …
Serpentine jedoch sieht die Sache anders: “Für mich lief es – abgesehen davon, dass wir getrennt worden sind – wunderbar! Irgendwann nach 10 Uhr kam die Sonne heraus – sofort spürte ich die Elektroschübe des EnergyDenim(F) Trikots und gab Gas so viel ich konnte. Nur selten zeigten die Digits meines Geschwindigkeitsmessers einen Wert unter 40 an.”
Cees van Donkeren beschreibt es so: “Ich kam sehr gut voran. Mijn God, das war so schnell!” Noch immer glitzert es in seinen Augen. “Aber als wir dann unter die Betonzufahrt von die Köhlbrandbrücke fuhren, da traf es mich – vloek!” Noch heute, zwei Tage nach dem Event, plagen ihn Rückenschmerzen der schweren Art.
“Es ist wirklich unglaublich, dass er das Rennen noch unter diesen Umständen zu Ende gefaren ist”, konstatiert Ruben Segundo. Jeder andere wäre wohl ausgestiegen.
Vorne vollzog sich die Geburt eines Helden: Ausgerechnet unser Wasserträger fuhr Bestzeit und sich selbst um Kopf und Kragen: “Ich weiß auch nicht, was in mich geschossen kam, aber irgendwann – ich glaube, es war in Holm, als wir die 60 Kilometer-Marke passiert hatten, es in den Wind ging, alle vor Schmerzen nicht mehr treten konnten – da übermannte es mich. Ich warf die restlichen Flaschen weg oder gab sie anderen Fahrern und trat rein.”
Kaum zu glauben, aber Dan Risskens beendete seine Cyclassics mit einem fantastischen 39er Schnitt – besser nur war Kapitän “Muckel” Serpentine, der ebenso außer Puste, aber hart gezeichnet mit einem 40er Schnitt über die Ziellinie fuhr.
Selbst bis nach Japan dringt die Kunde der Equipe SunClass
“Für mich sind es alles Helden,” sagt Teamchef Sten Richter und lächelt zufrieden. “Vor allem die Wild Cards, die wir über Twitter rekrutieren mussten, weil zwei unserer regulären Fahrer das Team verlassen hatten, haben einen tollen Job abgeliefert.” Auch wenn Jan und André, die beiden Substitut-Fahrer, mit einem 38er bzw. 37er Schnitt eine herausragende Leistung zeigten, waren sie doch nicht mit der Strategie vertraut und wegen fehlendem Trainings in der Gruppe mehr als unzureichend auf das Team eingestellt. Ein weiterer Grund, warum der wirkliche große Team-Erfolg ausgeblieben ist.
“C´est la vie,” sagt Desquenix und grinst in die Sonne, als er sich das EnergyDenim(F) Trikot auszieht: Im nächsten Jahr wird alles besser, das verspricht er.
Die Ergebnisse unserer Fahrer. Herzlichen Glückwunsch allen – vor allem den Wild Cards!
Für Professor Smyrkin, der sich weigerte, auf der Vattenfall VIP-Tribüne Platz zu nehmen und statt dessen im Teambus das Geschehen verfolgte, war das Rennen ein großer Erfolg: “So viel Zuspruch, so viele begeisterte Leute, die unsere Idee vom solar-aktiven Stoff toll finden und hinaus tragen in die Welt, hätte ich nicht erwartet! Otschen Charascho – Für SunClass und die Photovoltaik waren die Vattenfall Cyclassics ein großer Erfolg!”
Ruben Segundo und Professor Smyrkin dürfen zufrieden sein.
Und so packt das Team seine sieben Sachen und macht sich von Dannen. Berge von Daten müssen ausgewertet, die EnergyDenim(F) Trikots gewartet und optimiert werden. Das Training wird weiter gehen und sicher – so sagt es Sten Richter, Directeur Sportif: “Das Engagement von SunClass in diesem Bereich wird weiter gehen!”
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